Erfahrungsbericht: einen Grabstein für meine Mutter auswählen

Einen Grabstein auszuwählen, ist eine Entscheidung, die Zeit und Überlegung erfordert. Schließlich soll eine Erinnerung geschaffen werden, die häufig auch den Charakter und die Vorlieben der verstorbenen Person angemessen würdigt. Viele Menschen nehmen sich – so wie ich – bewusst Zeit für diesen wichtigen Schritt.

Da mich diese Erfahrung als ein weiterer Meilenstein im Trauerprozess sehr beschäftigt hat, möchte ich hier von meinen Erlebnissen erzählen und dir das Endergebnis zeigen.

Ein später, aber bewusster Entschluss

Zwei Jahre nach dem Tod meiner Mutter fühlte ich mich bereit: Ihr Grab sollte nun endlich einen schönen Grabstein erhalten. Doch was heißt „endlich“? In der Grabreihe, in der sie ruht, sehe ich einige verwitterte Holzkreuze von Menschen, die noch länger verstorben sind. Vielleicht werden sie nie ersetzt, beispielsweise aus Kostengründen.

Irgendwie ist der Gedanke beruhigend, das die Auswahl des Grabsteins ihre Zeit haben darf. Nach dem Tod meiner Mutter gab es einiges zu regeln: Formalitäten rund um die Beerdigung, Nachlass, Behördengänge… Ich war froh, als wieder mehr Raum für mein eigenes Leben entstand. Die Grabsteinwahl wollte ich daher bewusst nicht zu einem fixen Zeitpunkt abhaken, zumal meine Familie mir in dieser Sache freie Hand gelassen hat.

Außerdem sollte bei einem Erdgrab, wie es meine Mutter hat, ohnehin etwa ein Jahr vergehen, bis der Stein gesetzt wird. Ansonsten hat sich die Erde nicht genug verdichtet und der Stein könnte schief stehen oder umfallen.

Die Unsicherheit: Welchen Grabstein hätte sie gewollt?

Die Zeit zur Reflexion brachte Freiheit und gleichzeitig Zweifel mit sich. Was, wenn meine Wahl ihr nicht gerecht wird? Meine Mutter weigerte sich selbst im Endstadium ihrer Krankheit über den Tod zu sprechen – daher hatte ich keinerlei klare Aussage dazu, was sie sich gewünscht hätte.

Ich vermutete, sie hätte etwas Bescheidenes bevorzugt. Deshalb entschied ich mich vor der Beerdigung für ein pflegeleichtes Rasengrab: Der Friedhof mäht die Grünfläche, wir können am oberen Ende eine schmale Platte mit Grabstein, Blumen und Kerzen aufstellen. Da ich weit entfernt lebe, war das in gewisser Weise auch eine pragmatische Wahl.

Die Suche nach dem richtigen Steinmetz

Pragmatisch war auch mein Vorgehen bei der Wahl des Steinmetzes. Einen in meiner Stadt zu beauftragen, hätte hohe Transportkosten verursacht. Also suchte ich einen regionalen Betrieb – das war gar nicht so einfach aus der Ferne. Der Steinmetz direkt neben dem Friedhof sprach mich nicht an: Seine ausgestellten Werke wirkten altmodisch und nichtssagend. Mir blieb das Internet für meine Recherche.

Viele Betriebe haben erstaunlicherweise keine Online-Präsenz oder zeigen kaum Bilder ihrer Arbeiten. Wer sich im Internet gut präsentiert, hat allerdings einen klaren Wettbewerbsvorteil. So stieß ich auf „meinen“ Steinmetz: Seine moderne Webseite mit einer großen Bandbreite an Materialien, Formen und Farben überzeugte mich, sogar ein Unternehmensvideo gab es. Schon auf der Startseite fand ich einen Grabstein mit Drachen im „Game of Thrones“-Stil – nichts für meine Mutter, aber ein Zeichen für Individualität und kreative Möglichkeiten.

Die Gestaltung: ein Grabstein mit Bezug zum Meer

Mir war wichtig, dass der Stein das widerspiegelt, was Bedeutung für meine Mutter hatte. Für den Abschied hatten wir in der Familie bewusst immer wieder das Thema „Meer“ aufgegriffen – weil sie das Meer liebte, gern an (exotische) Reiseziele flog, dort surfte, tauchte und Meerestiere mochte. Ein Bibelvers mit Meeresbezug wählten wir für die Traueranzeige, Meeresrauschen war zwischen den Musikstücken auf der Trauerfeier zu hören. Für den Grabstein wünschte ich mir deshalb Wellen oder Muscheln.

Langer Atem für den Grabstein

Ein bisschen zäh gestalteten sich die Absprachen leider doch. Ich kontaktierte den Steinmetz per E-Mail, erhielt schnell eine Antwort und ein Zoom-Meeting-Angebot – dann herrschte plötzlich Funkstille. Erst als ich nachhakte, erfuhr ich, dass er beim Friedhofsamt Details zu den Vorschriften für Rasengrabsteine klären wollte, bevor wir uns besprechen. Selbst nach unserem zweiten Telefonat, in dem ich meine Wünsche skizzierte, blieben die versprochenen Entwürfe aus. Ich bin froh, dass ich nicht aufgegeben und mich anderweitig umgeschaut habe.

Da ich ohnehin nochmal zum Grab fahren wollte, machte ich einen Vorort-Termin beim Steinmetz aus. Bis dahin müssten die Entwürfe fertig sein, sagte ich ihm – und das war die beste Entscheidung. Denn es lässt sich nun mal nicht alles online und am Telefon abwickeln…

Vorort-Termin: vom Online-Eindruck zur echten Entscheidung

Als ich vor dem Termin beim Steinmetz am Grab meiner Mutter stand, fiel mir das warme Braun ihres Holzkreuzes auf, das gerade von der Sonne beschienen wurde. Dieser Moment hatte etwas Positives, was ich gern in dem Stein wiedersehen wollte.

Wenig später war ich beim Steinmetz-Betrieb, schlenderte durch die Reihen der Grabsteine auf seinem Hof und fühlte mich in meiner Wahl bestärkt. Hier gab es Vielfalt, sogar schlichte Modelle wirkten nicht wie Massenware.

Der Inhaber war mir trotz den Startschwierigkeiten mit unserem Kontakt sehr sympathisch. Wir setzten uns für die Beratung an einen massiven Steintisch (natürlich!). Ich bekam Kaffee und Kekse – mit aufgedrucktem QR-Code zum Unternehmensvideo. Deshalb erzählte ich ihm direkt, dass mich sein Online-Auftritt überzeugt hatte, was ihn sichtlich freute. Er lobte im Gegenzug, wie klar ich meine Vorstellungen übermittelt hatte. Gemeinsam schauten wir uns seine vier Entwürfe auf einem Flachbildschirm an: schmale, nicht zu hohe Steine – denn die Maße auf einem Rasengrab sind begrenzt. Auf den ersten Blick gefielen mir alle Vorschläge.

Die Entscheidung: Wellen, Sonne und Sand

Ich war selbst überrascht, wie schnell ich mich auf einen seiner Entwürfe festlegte. Der Stein mit Wellenmotiv (oben und unten) und einer goldenen Sonne passte perfekt zu meiner Mutter. Meine zweitliebste Alternative hätte eher meinen eigenen Geschmack widergespiegelt.

Instinktiv hatte ich alles in der richtigen Reihenfolge gemacht, meinte der Steinmetz: zuerst die Form ausgewählt, dann das Material. Der von mir ausgesuchte helle Stein (Oxford) hat mit seiner Maserung etwas von Sand, außerdem erinnert er mich an den warmen Ton des Holzkreuzes. Ein dunkles Material, beispielsweise einen Granitstein, konnte ich nicht mit meiner Mutter in Einklang bringen.

Dazu kommt das Herkunftsland des Steins: Indien, eines der Fernreise-Ziele, in dem meine Mutter selbst nicht gewesen ist – genau deshalb dachte ich, dass es ihr gefallen würde.

Das Motiv der Sonne sollte in Gold leuchten, da sie warmes Wetter mochte. Die Wellen am unteren Ende sollten als kleiner Kontrast leicht bläulich eingefärbt werden.

Auch mit der Schriftart für ihren Namen war ich glücklich. Wir probierten verschiedene Schriftgrößen und Farben aus, indem er eine Schablone über Muster-Steinplatten schob.

Was mir am schwersten fiel: Sollten Geburts- und Todesdatum auf den Stein? Ich kann nicht genau sagen, warum ich zögerte. Am Ende entschied ich mich für den Kompromiss: nur die Jahreszahlen.

Nach etwa einer Stunde war alles geregelt. Ich nahm mir das Wochenende, um „darüber zu schlafen“, wusste aber bereits, dass ich dabeibleiben würde. Die Kosten lagen im Rahmen, der Vertrag wurde vorbereitet, der Entwurf zur Freigabe ans Friedhofsamt geschickt – und ich fühlte mich erleichtert.

Grabstein für meine Mutter – das Endergebnis

Kurz vor Weihnachten informierte mich der Steinmetz, dass der Stein bereits auf dem Grab steht und schickte mir ein Foto. Erst nach dem Jahreswechsel fuhr ich selbst hin, um ihn mir anzusehen und mit einem kurzen Seufzer das Grab wieder herzurichten: Holzkreuz und Gestecke wurden nicht gerade liebevoll hinter den Stein gepackt.

Seit dieser Zeit erfreut mich der Grabstein bei jedem Besuch. Das heißt nicht, dass ich am Grab nicht trotzdem traurig werde. Doch der Stein ist wie ein Anker, der zumindest für eine bittersüße Stimmung sorgt.

Er ist wie eine letzte Geste, wie ein Abschiedsgeschenk an meine Mutter. Er hält die Erinnerung daran hoch, was ich mit ihr verbinde, was einen wichtigen Anteil ihres Lebens ausgemacht hat – und zwar einen der durchweg positiv ist, auch weil sie die Liebe zum Meer und die Reiselust an mich weitergegeben hat.

Mein Fazit zum Thema Grabstein:

Eine so wichtige Entscheidung braucht Zeit – und das ist gut so. Zwei Jahre Abstand waren für mich genau richtig. Ich bin froh, dass ich mich nicht durch zahllose Vorlagen gewühlt, sondern mir selbst die stimmigen Elemente überlegt habe – und auf die Erfahrungen des Steinmetzes vertrauen konnte. Ein regionaler Betrieb kennt die lokalen Vorschriften und kann vieles direkt mit dem Friedhof klären.

Ich hoffe, mein Bericht gibt dir einen Einblick in diesen persönlichen Prozess, hilft dir vielleicht weiter – oder vermittelt dir zumindest das Gefühl, dass du dir mit dieser Entscheidung Zeit lassen darfst.

Wenn du an die Planung gehen willst, findest du im Folgenden eine Übersicht mit wichtigen Eckdaten rund um die Beauftragung eines Grabsteins.

Was gilt es für einen Grabstein zu beachten?

Die Auswahl eines Grabsteins für einen geliebten Menschen ist eine sehr persönliche Entscheidung.

Hier sind einige allgemeine Aspekte, die du dabei beachten solltest:

1. Gestaltung und Material

• Material: Granit, Marmor, Sandstein oder sogar Glas – jedes hat seine eigene Optik und Langlebigkeit.
• Form: klassische Stele, liegender Stein, Herzform oder individuell gestaltete Formen.
• Oberfläche: poliert, matt oder naturbelassen.

2. Grabstein-Größe und regionale Vorschriften

• Friedhöfe haben oft spezifische Vorgaben für Größe, Form und Material.
• Vor der Auswahl solltest du dich über die Richtlinien des Friedhofs informieren bzw. mit einem Steinmetz vor Ort oder dem zuständigen Friedhofsamt darüber sprechen.

3. Beschriftung und Symbole

• Vor- und Nachname, Geburts- und Sterbedatum sind Standard, aber kein Muss.
• Spruch oder Zitat: biblisch, poetisch oder individuelle Lebensphilosophien.
• Symbole wie Kreuze, Engel, Blumen oder persönliche Motive, die für ein Hobby oder den Beruf stehen.

4. Individuelle Note

• Persönliche Gravuren können beispielsweise den Namen in der Handschrift des Verstorbenen abbilden.
• Fotos der Verstorbenen oder ein QR-Code mit Erinnerungen können ebenfalls angebracht werden.

5. Kosten und Pflege

• Preise variieren je nach Material, Größe und Bearbeitungsaufwand.
• Einige Materialien sind pflegeleichter als andere – zum Beispiel ist Granit langlebiger als Marmor.